HR-Kennzahlen für Geschäftsführer: Diese sieben Zahlen sollten Sie kennen

Hubertus Dejl
Geschäftsführer und Gründer, GIANT-HR · 01. Juni 2026
„Wie läuft es im Personal?" – „Eigentlich ganz gut." Solange Gespräche zwischen Geschäftsführung und Personalverantwortlichen auf diesem Niveau stattfinden, wird Personalarbeit nach Bauchgefühl gesteuert. Dabei lässt sich der Zustand der Belegschaft mit wenigen Kennzahlen präzise beschreiben. Sieben Zahlen genügen für den Anfang – quartalsweise erhoben, im Zeitverlauf betrachtet.
Die sieben Kernkennzahlen
| Kennzahl | Berechnung | Richtwert / Alarmzeichen |
|---|---|---|
| Fluktuationsquote | Austritte ÷ Ø Belegschaft × 100 | branchenabhängig; > 15 % kritisch prüfen |
| Frühfluktuation | Austritte im 1. Jahr ÷ Einstellungen × 100 | > 15 % deutet auf Auswahl-/Onboardingprobleme |
| Krankenstand | AU-Tage ÷ Soll-Arbeitstage × 100 | Ø Deutschland ~5–6 %; Team-Ausreißer beachten |
| Time to Hire | Tage von Ausschreibung bis Zusage | > 60 Tage: Prozess prüfen |
| Cost per Hire | Rekrutierungskosten ÷ Einstellungen | Transparenz schaffen, Kanäle vergleichen |
| Überstundenquote | Überstunden ÷ Soll-Stunden × 100 | dauerhaft > 10 %: Kapazitäts-/Führungsproblem |
| eNPS | Promotoren − Detraktoren (Weiterempfehlung) | negativer Wert: dringender Handlungsbedarf |
Zahlen lesen heißt Zusammenhänge sehen
Der Wert dieser Kennzahlen entsteht nicht in der Momentaufnahme, sondern im Muster. Steigender Krankenstand in einem einzelnen Team bei gleichzeitig steigender Überstundenquote deutet auf ein Führungs- oder Kapazitätsproblem hin – lange bevor die ersten Kündigungen eingehen. Eine hohe Frühfluktuation bei kurzer Time to Hire kann bedeuten, dass schnell, aber schlecht ausgewählt wird. Und ein sinkender eNPS ist der früheste Indikator von allen: Er fällt in der Regel zwei bis vier Quartale, bevor die Fluktuation messbar steigt.
Wichtig ist die richtige Flughöhe. Die Geschäftsführung braucht keine 40 KPIs, sondern ein einseitiges Quartals-Dashboard mit diesen sieben Zahlen, jeweils mit Vorquartal und Vorjahreswert. Mehr Aufwand als einen halben Tag pro Quartal sollte die Erhebung nicht kosten – moderne HR-Software liefert die meisten Werte auf Knopfdruck.
Praxis-Tipp: Beginnen Sie mit drei Kennzahlen (Fluktuation, Krankenstand, Time to Hire) und erweitern Sie schrittweise. Ein unvollständiges Dashboard, das gelebt wird, schlägt das perfekte Kennzahlensystem, das niemand pflegt.
Keine Rechtsberatung – keine Haftung – Wissen aus der HR-Praxis. Dieser Beitrag beruht auf langjähriger Praxiserfahrung in der Personalarbeit. Er ersetzt keine individuelle Rechtsberatung im Einzelfall; eine Haftung für Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wird nicht übernommen.

Hubertus Dejl
Geschäftsführer und Gründer, GIANT-HR
Hubertus Dejl ist Geschäftsführer und Gründer von GIANT-HR. Der HR-Experte begleitet mittelständische Unternehmen bei komplexen Personalprojekten und verantwortet die Bereiche Personalleitung (CHRO on demand), HR-Digitalisierung, Akademie und Compliance. Sein Anspruch: Personalarbeit nach dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns.
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